Willkommen auf dieser Welt : Willkommen in unserer Welt

Wir haben uns entschieden. Wir haben uns entschieden für ein Kind. Entschieden für unser Kind. Und damit haben wir uns auch dafür entschieden dieses Kind, unser Kind, nach bestem Wissen und Gewissen zu erziehen. Und wiederum genau deshalb haben wir uns entschieden, dass wir jegliche Form von Religion aus unserer Erziehung draußen lassen.

Aber jetzt erst mal von Anfang an: meine Familie ist so ziemlich zur Gänze ohne religiöses Bekenntnis. Warum? Das hat die verschiedensten Gründe. Aber der allgemeine Tenor lautet (und um das Ganze etwas abzukürzen), dass wir mit so mancher Ansicht der (in unserem Fall röm.-kath.) Kirche nicht einverstanden sind (und das ist noch wirklich nett ausgedrückt). Das beginnt bei der Haltung der Kirche zum Thema Verhütung, Stellung der Frau und ihrem Umgang mit Minderheiten (jetzt und in der Vergangenheit) und endet bei den jüngsten Begebenheiten wie Kindesmissbrauch und -misshandlung. Abgesehen davon bin ich mir nicht ganz sicher wie ich mit der Geschichte der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria umgehen soll… Immerhin möchte ich gerne, dass mein Sohn voll aufgeklärt und ’normal‘ mit dem Thema Sexualität umgehen kann und da finde ich, passt dieses mysteriöse kein-Sex-trotzdem-schwanger-Jesus-Ding nicht ganz. Und zack, da sind wir auch schon beim eigentlichen Thema…

Wir haben uns entschieden, dass unser Frühlingskind frei aufwachsen soll. Und frei bedeutet für uns frei von irgendwelchen Zwängen und Drängen. Dazu gehört für mich auch, dass er sich irgendwann einmal selbst für oder gegen eine Religion entscheiden kann. Natürlich weiß ich, dass Religion zur Allgemeinbildung gehört. Deshalb wird unser Frühlingskind, wenn es das möchte, auch darüber informiert werden. Ich verwende hier absichtlich das Wort ‚informiert‘, da ich hierbei nicht nur von einer Religion, sondern von allen Religionen dieser Welt spreche. Wenn unser Sohn etwas wissen will, dann kann er uns fragen und wir werden ihm eine Hilfestellung geben um sich mit dem Thema vertraut machen zu können.

Dieser unser Entschluss beinhaltet natürlich auch, dass unser Frühlingskind nicht getauft wird. Aber nun ist der Akt der Taufe ja auch mit einem Fest für das getaufte Kind verbunden. Ein Fest bei dem Familie und Freunde zusammen kommen um das Kind kennen zu lernen. Es willkommen zu heißen. Das ist natürlich eine sehr emotionale und auch wichtige Begebenheit für alle Beteiligten. Wie also können wir es nun vereinen, dass wir auf der einen Seite unseren Sohn nicht taufen lassen und auf der anderen Seite aber ein Zeichen für ihn setzen? Ganz genau: mit einem Willkommen-im-Leben-Fest. Kurz: Willkommensfest.

So war es am 14. Juni 2014 so weit. Wir haben all unsere lieben Freunde und unsere engste Familie eingeladen um unseren Sohn willkommen zu heißen, ihn kennen zu lernen und ihn begrüßen zu können. Es war ein wunderbares Fest. Der Lieblingsmann und ich haben eine Rede gehalten, meine Eltern haben eine tolle Geschichte vorgelesen und sehr persönliche Worte gesprochen und ein paar unserer Lieben haben sich Wünsche für unser Frühlingskind ausgedacht und vorgetragen. Und zur Abrundung des Ganzen haben wir Herzluftballons mit Wünschen für unseren Mini steigen lassen. Mal sehen ob wir den einen oder anderen zurück bekommen. Auch eine Patin haben wir unserem Herzchen zur Seite gestellt. Wir nennen sie aber lieber Weggefährtin. Denn sie soll unseren Sohn begleiten. Ihm zur Seite stehen und ihn unterstützen.

Wir möchten unser Frühlingskind mit unserem Entschluss nicht von Religion oder der Kirche abschirmen. Wir möchten, dass er sich sein eigenes Bild darüber machen kann und sich selbst mit diesem Thema, wenn er das möchte, frei beschäftigen kann. Für mich gehört ein Kreuz in keine Krabbelstube und kein Klassenzimmer. Überhaupt in keinen öffentlichen Raum.  Für mich ist Religion ein persönliches Ding. Nichts das jemandem aufgedrängt werden soll oder kann. Genau wie sexuelle Gesinnung oder die Lieblingsfarbe oder die Tatsache, dass Spinnen einem keine Angst machen müssen. Wenn ihr versteht was ich meine… Ich denke, dass die heutige, so fortschrittliche Gesellschaft in diesem Punkt einiges nach zu holen hat und ich möchte, dass mein Sohn in dieser Angelegenheit keinen Rückschritt macht, sondern frei seinen Weg gehen kann.

Ich mag verdammen was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.

Voltiare

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