Teilzeitarbeit : fehlende Betreuungsplätze : alte Rollenbilder : WARUM?

Am Samstag waren wir auf der Geburtstagsparty einer guten Freundin. Dort habe ich eine alte Bekannte getroffen. Wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen. Sie hat mir zu unserem Frühlingskind gratuliert und mir dann, völlig selbstverständlich die Frage gestellt ob ich im Moment oder der Lieblingsmann zu Hause sind. Im ersten Moment war ich perplex. Hatten doch bisher alle ganz selbstverständlich angenommen, dass ich, die Frau, die Mutter, zu Hause bleibe. Ich freute mich, dass ich endlich mal mit jemandem mit anderer Einstellung ins Gespräch kam.

Gleichzeit aber ärgere ich mich auch. Ich ärgere mich darüber, dass es immer noch ganz selbstverständlich und quasi unabdingbar ist, dass die Frauen zu Hause beim Kind bleiben. Warum ist das in der heutigen, so modernen, so fortschrittlichen Zeit nach wie vor so? Ständig höre ich Sätze wie ‚Mein Mann hat ja schon überlegt zu Hause zu bleiben, aber es geht nun mal nicht.‘ oder ‚Mein Mann hat sich seine Position hart erarbeitet, da kann er nicht so einfach aufhören.‘ oder aber, mein Favourit ‚ Mein Mann verdient viel mehr als ich, deshalb bleibe ich zu Hause.‘ Und bumm, genau da hakt es! Warum verdienen die Männer denn mehr? Warum geht es denn nicht, dass unsere Männer ‚einfach zu Hause bleiben‘? Und, haben sich unsere Männer ihre Positionen etwa härter erkämpft als wir?

In Österreich sind 45,5% der erwerbstätigen Frauen auf Teilzeitbasis beschäftigt. Dem gegenüber stehen nur 10% der erwerbstätigen Männer (Statistik Austria Teilzeitquote). Und ich frage mich: warum zum Teufel ist das so? Und dann fällt es mir wieder ein: achja genau, das ist, weil unsere Gesellschaft, allen voran unsere PolitikerInnen, die Elementarpädagogik nach wie vor als einen ‚Abstellplatz für Kleinkinder‘ erachten, Einrichtungen in welche man seine Kinder halt schnell hinbringt um rasch arbeiten zu gehen. Und ja, genau, unsere Krabbelstuben sind a) kaum vorhanden b) meist privat zu zahlen und c) ab Mittag geschlossen. Und die Kindergärten? Die sind oft restlos überfüllt, pädagogisch (meist) wertlos und darüberhinaus ab 14:00 geschlossen. Und da beginnt der Teufelskreis von vorne. Wie soll frau denn da ganztags arbeiten gehen, wenn das Kind ab Mittag oder spätestens 14:00 nicht mehr betreut wird? Ich bin selbst Pädagogin im Elementarbereich und seit heuer auch selbst Mutter. Ich weiß, dass es an allen Ecken und Enden fehlt, dass die Pädagoginnen oft heillos überfordert sind, es keine Unterstützung von Seiten des Staates gibt und Einrichtungen wie Krabbelstuben, Kindergärten oder Horte keine entsprechende Anerkennung bekommen geschweigedenn zu den BILDUNGseinrichtungen hinzugezählt werden. Und ich werde selbst bald vor dem Dilemma Kinderbetreuung stehen. Und es dann am eigenen Leib, als Mutter, erfahren müssen, dass es nicht anders geht als, dass ich meine Stunden als Pädagogin reduziere. Aber wisst ihr was, das stinkt mir gewaltig! Ich möchte als Frau selbst entscheiden können warum ich teilzeit arbeite und möchte nicht dazu gezwungen werden, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Es ist an der Zeit, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht mehr nur Aufgabe der Frauen ist!

Ich möchte, dass Unternehmen, die sehr gerne damit werben besonders ‚familienfreundlich‘ zu sein, das auch anfangen zu sein. Männer müssen endlich in Karenz gehen (Echte Männer gehen in Karenz). Die Politik muss beginnen das Bildungswesen zu reformieren (und meine Lieben, das ist mehr als überüberüberfällig!!!) Und wir Frauen müssen damit aufhören uns in alte Rollenverhältnisse drängen zu lassen (ja, auch wir müssen etwas dazu beitragen damit die Gleichberechtigung in Gang in kommt!!!). Hören wir endlich damit auf zu sudern, zu jammern und alles einfach hinzunehmen! Steht auf und macht was!

Als ich meine Schwangerschaft beim Landesschulinspektorat bekannt gegeben habe, hat die Dame dort geantwortet ‚Ach, dann fallen Sie ja jetzt für mehrere Jahre aus.‘. Bitte? Was? Nein! Warum? Abgesehen davon, dass ich meine Karenz nicht als ‚Ausfall‘ betiteln möchte… Ich antwortete also ‚Nein, ich werde nach einem Jahr wieder voll arbeiten gehen.‘ Betretenes Schweigen am anderen Ende der Leitung… Diese Selbstverständlichkeit, dass Frauen mehrere Jahre zu Hause bleiben ist so tief in manchen Köpfen verankert. Das erschreckt und ärgert mich!

85 Tage im Jahr arbeiten wir Frauen in Österreich GRATIS. Wir verdienen gegenüber den vollzeitarbeitenden Männern um 25% weniger. Zählt man die teilzeitarbeitenden Frauen dazu, sind es sogar 40%. Ist das nicht absolut schrecklich? Bei diesen Zahlen fühle ich mich als Frau beschnitten, gekränkt und absolut unter meinem Wert gehandelt! Es ist absolut an der Zeit, dass Ganztagsbetreuungsplätze ausgebaut werden und der Umstieg von Teilzeit- auf Vollzeitarbeit einfacher gestaltet wird. Unsere PolitikerInnen sind absolut am Zug. Aber nicht nur die, liebe Frauen und Mütter! Wir dürfen diese Tatsachen nicht einfach auf uns sitzen lassen. Wenn wir ganz selbstverständlich in Teilzeitmodelle einsteigen, unsere Kinder immer mittags abholen und pünktlich das Abendessen für unsere lieben Männer auf den Tisch stellen, wird sicht NICHTS ändern. Auch wir müssen etwas beitragen damit es besser wird!

Auch wenn ein Volks Rock’n’Roller es nicht als wichtig erachtet uns in der Nationalhymne vorkommen zu lassen, ist es wichtig, dass wir uns nicht länger unterdrücken und hinten anstellen lassen!

We_Can_Do_It!

 

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