Väterkarenz, das liebe Geld und die Suche nach der Gleichberechtigung

Vor Kurzem war ich mit einer Freundin und ihrer zwei Monate alten Tochter spazieren. Ein Mamitalk. Austausch unter Gleichgesinnten. Problemerörterung. Erfahrungsaustausch. Super, wenn nur wenig Kontakt zur Außenwelt.

Bei der Frage wie lange sie in Karenz bleibt, antwortete sie, ganz selbstverständlich: ‚1 Jahr. Und ich muss gestehen manchmal fehlt mir die Arbeit jetzt schon.‘ Ich war erleichtert. Sozusagen Stein vom Herzen. Endlich mal eine Mama die dazu steht, dass sie gerne arbeitet und, dass ihr ein Jahr in Karenz völlig ausreicht. Das ist selten. Zumindest in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis. Normalerweise wird auf meine Aussage, dass ich nur ein Jahr in Karenz bliebe mit hochgezogenen Augenbrauen und erschrockenen Ahas geantwortet.

Und einmal mehr frage ich mich warum? Warum ist es immer noch selbstverständlich, dass wir Frauen mehrere Jahre zu Hause bleiben? Auf Karriere verzichten. Auf ein geregeltes, ausreichendes Einkommen. Uns im Endeffekt abhängig machen (lassen) von unseren Geld verdienenden, Karriere machenden Männern. Das lauteste Argument: ‚Mein Mann verdient viel mehr als ich.‘. Klar. Stimmt. Weil fehlende Gleichberechtigung und so (ich möchte jetzt ausnahmsweise mal nicht weiter ausholen). Aber was ist wenn wir darauf einfach mal eine Zeit lang verzichten? Auf das liebe Geld. Es ist mir durchaus bewusst, dass das Leben mit Kind(ern) Geld kostet. Aus eigener Erfahrung. Aber was ist, wenn wir das einfach mal außen vor lassen? Und ich spreche hier nicht von mehreren Jahrzehnten. Nein ich spreche von Monaten, im besten Falle ein paar Jahren (länger bleiben Männer meist sowieso nicht in Karenz). Etwas weniger Geld für mich und meine Familie. Dafür mehr Selbstständigkeit, Anerkennung(?) und Erfüllung(?) für mich. Als Frau. Egoistisch werden jetzt viele denken. Aber wenn Männer das tun, dann nicht egoistisch, weil ja mehr verdienen. Ist das nicht komisch? Da kommt mir glatt der Gedanke ob wir Frauen uns nicht etwas hinter der mein-Mann-verdient-besser-als-ich-deshalb-bleibe-ich-zu-Hause-Mauer verstecken. Weil wir vielleicht gar nicht arbeiten gehen wollen. Zumindest nicht so lange die Kinder klein sind. Aber dann steht dazu liebe Mütter! Und dann kommt mir noch ein weiterer Gedanke. Warum schreien eigentlich die Männer nicht auf, dass sie an der Erziehung und am Aufwachsen ihrer Kinder maßgeblich beteiligt sein wollen? Warum melden sich die Männer denn eigentlich nicht und sagen ich WILL in Karenz gehen und das länger als die vorgesehenen „Papamonate“? Ist es tatsächlich, auch in unserer so gebildeten und fortschrittlichen Generation so, dass Kindererziehung Frauensache und Geld verdienen Männersache ist? Das ist, finde ich, erschreckend und gleichzeitig beschämend!

Wir, Männer UND Frauen, müssen umdenken. Neu programmieren. Ausbrechen aus alten (Verhaltens)Mustern und Rollenbildern. Männer schreit hier beim Thema Karenz. Lasst euch die ersten Lebensjahre eurer Kinder nicht entgehen. Geht in Karenz! Und Frauen. Traut euch mehr zu. Lasst euch eure Selbstständigkeit und eure Weiterentwicklungsmöglichkeiten nicht sang und klanglos nehmen. Geht arbeiten!

Dass es nicht immer einfach ist, dies in der Realtität durch zu ziehen und in die Tat umzusetzen ist mir bewusst. Aber hat euch irgendwer jemals versprochen, dass es einfach wird?

 

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