Schläft er schon durch?

DIE Frage aller Fragen. Der Lieblingsmann schüttelt lachend den Kopf. Ich antworte mit einem Lächeln: neiiiin. Er schläft noch nicht durch. Er ist knapp 6 Monate alt. Er muss nicht. Er dürfte. Will aber nicht, nein, kann nicht. Weil hunger. Oder durst. Oder mal nachschauen ob eh noch alle da sind. Nach dem Rechten schauen so zu sagen.

Ihr habt ja vielleicht meinen Beitrag hier gelesen. Da hab ich schon mal über das Schlafverhalten des Sohnemanns geschrieben. Das hat sich allerdings grundlegend geändert. Weiterentwickelt. Neu eingestellt. Vor knapp fünf Monaten dachten wir noch, Wahnsinn. Schlimm. Wird sich nie ändern. Jetzt, unglaublich. Das Frühlingskind schläft.

Aber mal von vorne. Das Schlafen hat sich wirklich grundlegend verändert. Noch vor ein paar Monaten war nicht daran zu denken, dass das Frühlingskind im eigenen Gitterbettchen schläft. Jedes mal ablegen im Bett bedeutete aufwachen. Wieder in den Schlaf wiegen. Ablegen. Aufwachen. Wiegen. Ablegen … Ich dachte wenn das so weitergeht werde ich wahnsinnig. Und ich dachte, dass sich das nie ändern wird. Aber: denkste. Der Sohnemann schläft jetzt seelenruhig auf meinem Arm oder dem des Lieblingsmannes ein. Lässt sich ohne Probleme in seinem Bettchen ablegen und schläft dann zwischen zwei und vier Stunden. Dann wird der Zwerg wach. Weil hunger. Grooooooßer hunger. Dann wird gestillt. Und, unglaublich, aber wahr, denn danach lässt sich der Sohnemann wieder ohne Probleme ins Bett legen. Diesmal ins Familienbett. Weil gemeinsam schlafen toll ist. Kuscheln. Nähe spüren. Und: die Mama muss zum Stillen nicht aufstehen 😉 Dann wird erst mal wieder geschlafen. So ungefähr bis 1 Uhr. Dann wieder: hunger. Schlafen. Um 3 Uhr: hunger. Schlafen. Und ha, 5:30. Die Nacht ist, nach Ansicht meines Zwergs, vorbei. Frühlingskind hellwach. Gut gelaunt. Brabbelt. Quitscht. Strampelt. Schreit. Lacht. Das ist wunderbar. Wenn man nicht mehr schlafen will. Mama schläft um diese Zeit aber noch sehr, sehr gut. Also wird noch ein bisschen lauter gebrabbelt. Gequietscht. Gestrampelt. Geschrien. Gelacht. Ab und zu bedient sich mein Zwergi auch an der hauseigenen Milchbar. Mobil genug ist er jetzt schon. Und bei der körperlichen Anstrengung muss man wirklich genug essen und trinken! Um ca. 6:15 geht es dann nicht mehr. Ich drehe mich zum Frühlingskind. Er strahlt mich an. Ich bin todmüde. Aber bei diesem Lächeln der glücklichste Mensch der Welt. Und siehe da. Augenreiben. Gähnen. Frühlingskind ist wieder müde. Wir kuscheln uns zusammen und schlafen noch einmal ein. Herrlich!

Zusammenfassend: unser Kind ist fast 6 Monate alt. Um 19:30 wird er in sein Bettchen gelegt. Zwischen 22:00 und 23:00 übermannt ihn der Hunger. Das Gleiche noch einmal so gegen 1:00 und 3:00. Ab 5:30 wäre er grundsätzlich bereit den Tag beginnen zu lassen. Ab ca. 8:30 beginnt der Tag. Noch vor ein paar Monaten war dieser Rhytmus für mich noch unvorstellbar. Da wurde mein Zwerg manchmal sogar jede Stunde wach. Trank viel und gierig. Meine Augenringe waren groß. Meine Nerven klein. Jetzt ist das anders. Eben alles nur eine Phase.

Liebe Mamis und Papis, falls ihr gerade in einer nicht-Schlaf-Phase seid: haltet durch! Es wird wieder anders! Durschlafen ist ein Reifeprozess. Und außerdem ist die Definiton von Durchschlafen sehr weit dehnbar. Meine Mama hat mal zu mir gesagt ‚Ist er erst einmal so alt wie du jetzt, dann wirst du es ziemlich lächerlich finden wie schlimm du es damals, die paar Jahre, gefunden hast, dass er nicht durchschläft.‘ Da wird sie wohl Recht haben meine liebe Frau Mama 🙂

Und jetzt: gute Nacht. Zwerg schläft. Lieblingsmann schläft.

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Wo bleibt die Menschlichkeit?

Letzte Woche hatte der Lieblingsmann einen Fahrradunfall. Gar nicht so ohne. Er fährt durch den Salzburger Stadtverkehr. Der ist zu den Stoßzeiten bekanntlicherweise ja gar nicht so ohne.

Ich muss gestehen, dass ich mich vor diesem Anruf schon lange gefürchtet habe. Zu diesem Zeitpunkt war ich bei sehr guten Freunden von uns. Gut so. Wir sind auch gleich losgefahren um ihn abzuholen. Schon am Telefon habe ich gemerkt, dass er sich doch mehr verletzt haben muss. Zittrige Stimme, der Satz „mach dir keine Sorgen, aber…“. Ich also das Frühlingskind gepackt (hat zu diesem Zeitpunkt Gott sei Dank geschlafen) und losgedüst. An der Unfallstelle angekommen hab ich es schon gesehen. Blut. Ein beträchtliches Rinnsal vom Ellenbogen und das gleiche nochmal vom Knie. Welches ebenfalls dick geschwollen war. Den Daumen konnte er kaum bewegen. Sichtlich geschockt und verdattert war er obendrein.

Und dann ist es mir erst aufgefallen. Er war völlig alleine. Es war niemand da der ihm vom Gehsteig aufgeholfen hat. Der ihm das Rad auf die Seite gelegt hat. Der ihn gefragt hat ob alles in Ordnung sei. Geschweigedenn jemand der die Rettung verständigt hätte. Wir haben immerhin knapp 30 Min. von besagtem Anruf bis zur Unfallstelle gebraucht. Sprich der Lieblingsmann ist über eine halbe Stunde verletzt am Gehsteig gesessen (und würde dort vermutlich heute noch sitzen wären wir nicht gekommen). Dazu sei vielleicht auch noch gesagt, dass der Unfall nicht auf irgendeinem kleinen Waldweg passiert ist wo nur einmal pro Monat jemand vorbei kommt. Nein. Es ist auf einer der meistbefahrenen Straßen, zur Feierabendzeit, sprich absolute Stoßzeit, passiert. Die FußgängerInnen sind praktisch über ihn drüber gestiegen, die FahrradfahrerInnen haben einen großen Bogen um ihn gemacht und die AutofahrerInnen haben sich sowieso nicht zuständig gefühlt. Und der Wirt vor dessen Lokal der Unfall stattgefunden hat, hat sich nur um seinen Mercedes gesorgt über dessen Motorhaube der Lieblingsmann beinahe drüber gerutscht wäre.

Liebe Leute, ich kann es kaum fassen wie wenig wir uns um unsere Mitmenschen kümmern. Nicht einmal in einer Notsituation wie der diesen fühlt sich jemand zuständig. Niemand kümmert sich. Niemand hilft. Ich finde das beschämend. Alamierend und vorallem beängstigend. Was ist wenn du selbst in diese Situation kommst? Möchtest du dann nicht, dass dir jemand die Hand reicht, dich fragt wie es dir geht und vorallem, dass dir jemand hilft, jemand da ist? Und deshalb frage ich mich, mal ganz davon abgesehen, dass wir nach §95 StGb zur Hilfeleistung verpflichtet sind, wo bitte bleibt denn die Menschlichkeit, die Zivilcourage, ja ganz einfach der Basis-Hausverstand?

Wir haben uns mittlerweile von dem Schock erholt. Die Wunden an Knie und Ellenbogen sind verheilt, der Daumen heilt. Aber was bleibt ist das Gefühl, dass einem in einer Notsituation nicht geholfen wird…