Der Mama-Plural

‚Habt ihr schon Zähne?‘ frage ich letzte Woche meine Freundin im gemeinsamen Kangatraining. ‚Nein.‘ antwortet diese ganz selbstverständlich. Wir müssen beide lachen. Sie meint, dass der ‚Mama-Plural‘ doch wirklich mal einen Blog-Post wert ist. Damit hat sie natürlich vollkommen Recht.

Ich überlege seit wann ich dem Mama-Plural verfallen bin. Gleich mit der Geburt? Mit dem ersten Lächeln des Frühlingskindes? Dem ersten Krabbelversuch? Hmmm… Ich weiß es nicht mehr. Egal. Fakt ist: ich bin gefangen. WIR haben noch keine Zähne. Dafür krabbeln WIR schon. WIR haben begonnen Brei zu essen und WIR lieben Zucchini und Pastinaken. Am liebsten spielen WIR mit der ‚magischen 8‘ und lutschen an Papas Crocs im Vorzimmer. Im Spiegel sehen WIR ein zweites Baby und WIR amüsieren uns prächtig über die Tatsache, dass dieses Baby immer genau das selbe macht wie WIR. Diese Liste wäre noch endlos fortzuführen. Aber, nur damit das klar ist: ich habe mein volles Leibniz-Butterkeks-Lächeln schon seit mehr als zwei Jahrzehnten. Krabbeln kann ich vermutlich schon lange und auch ziemlich gut. Zucchini finde ich glitschig und ekelig und Pastinake habe ich vor den Brei-Sessions mit meinem Junior noch nie zum Kochen verwendet. Die magische 8 finde ich lustig, aber ich spiele nur äußerst selten damit (weil ja Lieblingsspielzeug des Frühlingskindes ;)). Auch die Crocs des Lieblingsmannes haben den Weg in meinen Mund noch nie gefunden (…). Und über den Spiegelbild-haha-lustig-Wahn bin ich seit knapp 28 Jahren hinaus. Nichts desto Trotz formuliere ich diese wunderbaren Dinge, die mein Baby in regelmäßige Lachkrämpfe steigern, im Plural. WIR. Nix ich. Nix Frühlingskind. WIR. Woher kommt dieses sich-mit-allem-was-mein-Kind-tut-Solidarisierungs-Quatsch? Ich gehe mal davon aus, dass es davon kommt, dass wir unsagbar stolz auf unsere Nachkömmlinge und somit auch auf alles was sie tun, sind. Eh klar. Logisch. Die Frage ist nur warum ‚gönnen‘ wir unseren Kleinen den Triumph nicht, dass sie es sind die das alles lernen und nicht wir? Richtig: weil so stolz. Und immerhin ja auch unser eigen Fleisch und Blut. Deshalb quasi Beteiligung an allem was die Zwerge lernen und können. Eh klar. Logisch. Immerhin sind wir dafür verantwortlich, dass es diese kleinen Wunder überhaupt gibt. Deshalb Mama-Plural. WIR. (Ihr erkennt vielleicht die Endlosspirale…)

Ok. So. An der eigenen Nase nehmen. Kein wir. Frühlingskind. Lernt nämlich Dinge wie essen, krabbeln, sprechen, … ganz alleine. Auch ohne, dass ich mich damit rühme. Quasi mit fremden Federn schmücke. Allerdings kommt dieses wundersame Phänomen von ganz alleine. Da hab ich gar nicht lange üben müssen. Das WIR kommt von ganz alleine. Und um ehrlich zu sein: es nervt! Mich. Andere. Vermutlich alle. Kann es sein, dass wir Mamas uns so sehr mit der Mutterrolle identifizieren, dass wir uns, als eigene, eigenständige Person, etwas (oder gänzlich?) vergessen? Und: ist das schlimm? Normal? Egal? Das ist eine der essentiellen Fragen die mich als Mutter ständig begleiten. Wie weit bin ich Mama? Freundin? Frau? Partnerin? Selbst Tochter? Wo ziehe ich die Grenze zur nächsten Rolle? Eine schier unlösbare Frage. Es verwundert mich wie selbstverständlich wir Frauen all diese Rollen hinnehmen und ausführen (können). Ziemlich gut. Grandios. Danke ihr Frauen da draußen.

Etwas weit ausgeholt (passiert mir manchmal…). Zurück zum Mama-Plural. Wie werde ich diesen wieder los? Konsequenz. Selbstdisziplin. Super. Da bin ich Fachfrau drin. Wie war das also? An der eigenen Nase nehmen. Genau. Mach ich jetzt. Seht es mir aber nach wenn es mir nicht auf Anhieb gelingt 😉

So und jetzt Schluss. Wir krabbeln nämlich gerade auf den vollen Altpapierkorb zu um ihn fachmännisch zu entleeren 😀

 

– Kinder müssen mit Erwachsenen sehr viel Nachsicht haben. –

Antoine de Saint-Exupéry

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