‚Mein Fett ist politisch‘

Dick. Übergewichtig. Fett. Adipös. Was ist das eigentlich? Und warum spielt es in unserem Alltag eine so große Rolle?

Ja, warum eigentlich? Das ist die große Frage um die es so oft geht. Diese zu beantworten ist aber leider nicht ganz einfach. Zumindest nicht gleich. Nicht vollständig.

Ich gehöre zu den Frauen die sich tagtäglich diese Frage stellen (müssen). Ich bin das, was ÄrztInnen, ErnährungswissenschafterInnen, die Gesellschaft und vorallem die Medien als übergewichtig, als dick bezeichnen. Ich entspreche weder der ‚Norm‘, noch dem ‚Idealbild Frau‘ das in unserer Gesellschaft verankert ist bzw. uns von den Medien gezeigt vorgegaukelt wird. Und da sind wir schon beim Kernthema. Das Frauenbild das in den Medien herumschwirrt ist nicht echt. Gekünstelt. Verschönert. Aufgehübscht. Frisiert. Verlogen. Verfälscht. Nennt es wie ihr wollt. Das Frauenbild in unseren Medien ist ef a el es ce ha: F a L s C h.

Dicken Frauen werden Attribute wie unsportlich, faul, hässlich, ungesund, schmutzig, unglücklich oder langsam zugeordnet. Sie werden automatisch in eine Schublade der Unproduktivität gesteckt. Sie können nichts leisten. Weil sie doch dick sind. Arme und bemitleidenswerte Menschen diese dicken Frauen. Oder doch verachtenswert? Weil schließlich ist frau doch selbst schuld an ihrem dicken-Dasein. Schiefe Blicke, kränkende Worte und übergriffige Sprüche sind meist an der Tagesordnung. Kleidergrößen jenseits der Konfektionsgröße 44 sind schwer zu bekommen. Schließlich ist 38 abwärts doch viel idealer schöner. Schönheit liegt übrigens im Auge des/der BetrachterIn. Aber was rede ich da. Schönheit liegt auf Werbeplakaten und Fernsehspots… Und es hat gefälligts jede/r nur das Schönheitsideal, schlank dünn, jung und verdammt nochmal sexy im Kopf zu haben. Wozu brauchen wir also Kleidergrößen jenseits der 44? Die Übergriffigkeit mit der dicke Frauen im Alltag zu kämpfen haben ist nichts anderes als Sexismus und Freiheitsberaubung. Mein Körper gehört mir. Mit jeder einzelnen Speckrolle. Egal was auf Plakaten, in Werbespots oder im Internet verbreitet wird.

Es gibt und das wird euch jetzt aus den Socken reißen, dicke Frauen die weder unproduktiv, noch langsam oder geschweige denn unglücklich sind. Um nur ein prominentes Vorbild zu nennen: Beth Ditto. Die vorher genannten Attribute treffen auf diese „Rampensau“ wohl wahrlich in keinster Weise zu. In Wien haben sich drei dicke Frauen zur ARGE dicke Weiber zusammengeschlossen. Sie empowern dicke Frauen. Sie setzen Zeichen, dass dick sein ok ist und sagen dem Schlankheitswahn den Kampf an. Das finde ich richtig und wichtig. Denn jeder (Frauen)Körper ist gut und schön. So wie er ist. Auf seine individuelle, einzigartige Weise.

Und das ist es was wir an unsere Kinder weitergeben müssen. Unsere Kinder wachsen mit einem falschen (Frauen)Körperbild auf. Sie sehen es tagtäglich. Und sie können nicht anders als es als echt anzusehen. Unsere Töchter und Söhne glauben, dass hervorstehende Beckenknochen, rausragende Rippen, eine thigh gap, size 0 und weiß der Teufel was es noch alles an ‚Schönheitsidealen‘ gibt, naturgegeben sind. Frauen mit ’normaler‘ Figur gelten als PlusSize-Models (siehe Robyn Lawley). Und unsere Kinder glauben diesem falschen Trend nacheifern zu müssen. Wir züchten uns eine Generation heran, die einem Schlankheits-, Fitness- und Abnehmwahn unterliegen wird, aus lauter Angst dick werden zu können. Denn dann sind sie schließlich in unserer Gesellschaft weitaus weniger Wert.

Fangen wir endlich an das momentane Frauenbild zu überdenken. Für uns. Für unsere Kinder.

 

 

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2 Gedanken zu “‚Mein Fett ist politisch‘

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