Refugees welcome: ein Erfahrungsbericht

Jeden zweiten Sonntag findet in Salzburg Stadt eine richtig tolle Veranstaltung statt. Nämlich Refugees Welcome (zu deutsch: Flüchtlinge willkommen). Je nach Wetter wird der Volksgarten oder der Unipark Nonntal zur Begegnungszone zwischen Flüchtlingen und SalzburgerInnen. Zwischen 15:00 und 19:00 wird getanzt, musiziert, gegessen, gespielt und miteinander kommuniziert.

Und gestern haben der Lieblingsmann, meine Sonneneltern und ich das Frühlingskind geschnappt und waren zum ersten Mal selbst dabei. Weil wir finden, dass dies ein großartiges Projekt ist und im Moment alles menschenmögliche getan werden muss um die Situation der Flüchtlinge zu verbessern. Selbst wenn es nur für wenige Stunden ist.

Als wir im Unipark Nonntal angekommen sind, herrschte dort bereits ausgelassene Stimmung. Aus Lautsprechern drangen arabische Klänge, Männer tanzten fröhlich und laut klatschend im Kreis, Trommelrhythmen lagen in der Luft und es wurde viel gelacht. Wir hatten ein bisschen das Gefühl als ob wir auf einem kleinen, aber feinen Volksfest gelandet wären.
Am Eingang war ein Buffet aus Bierbänken aufgebaut. Dort konnten Speisen und Getränke abgegeben werden (unser Obstkuchen mit Zwetschken und Beeren war binnen kürzester Zeit aufgegessen 🙂 ), denn was wäre ein Fest ohne Festessen 😉
Der Spielebus der Salzburger Kinderfreunde parkte vor der Tür und nicht nur die Kinder waren mit Eifer am Federball spielen, Pedalos fahren und Slacklinen. Die verschiedenen Sport- und Spielmöglichkeiten lockerten ziemlich gut auf und wir kamen dadurch recht schnell mit den anderen in Kontakt. Es dauerte nicht lange, da hatte der Lieblingsmann bereits eine „Facebookfreundschaft“ mit einem jungen Mann aus Somalia. Das Lieblingskind ist gemeinsam mit einem somalischen Jungen Dreirad gefahren und die Sonnenmama hat sich gemeinsam mit drei Jungs ein wildes Match am Wuzeltisch geliefert. Herrlich. Wer hätte das gedacht, dass es so schnell geht. Ich selbst bin bald mit zwei jungen Männern ins Gespräch gekommen. Einer davon konnte bereits so gut deutsch, dass wir uns ein wenig unterhalten konnten. Er hat mir erzählt woher er kommt, was er von Beruf ist und wie alt er ist. Für seinen Freund aus dem Iran hat er übersetzt. Jedes Wort, das er noch nicht gekannt hat, hat er sich in seinem kleinen Notizbüchlein notiert. Der Wille Deutsch (möglichst schnell) zu lernen ist unbändig.
Es wurden uns Bilder von Kindern und Frauen gezeigt. Die zu Hause bleiben mussten… Uns wurde der fürchterliche Weg nach Österreich geschildert. Fasziniert und gebannt habe ich zugehört.
Immer wieder betonten die Männer wie schön Österreich ist und wie wohl sie sich hier fühlen. Das hat mich wirklich gefreut. Wo ich doch das Gefühl habe, dass Österreich für diese Menschen im Moment so gar nicht schön sein kann…
Diese Menschen haben unvorstellbares Leid hinter sich und wissen meist nicht wie es am nächsten Tag weitergeht. Hier in Österreich müssen sie in Zelten oder, noch schlimmer, auf dem nackten Boden schlafen. Sie werden angefeindet. Als Schmarotzer und Lügner bezeichnet. Und trotzdem bin ich fröhlichen, netten und liebevollen Leuten gegenüber gesessen. So viel positive Energie habe ich schon lange nicht mehr gespürt. Davon könnte sich so manche/r ÖsterreicherIn eine Scheibe abschneiden.

Dieser Nachmittag der Begegnung war wunderbar. Interessant. Lustig. Aufschlussreich.
Sprache, Hautfarbe, Herkunft, Religion: doesn’t matter. Wir haben gemeinsam gespielt, gelacht, gefeiert. Kommunikation? Na mit Händen und Füßen eben 😉

Unser Fazit: geht hin. Lernt die Menschen kennen. Schaut hin und hört zu.

Nächster Termin: Sonntag, 30.08.2015

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