Es geht uns alle an!

Ich sitze hier in meinem Eigentumshaus. Schreibe auf einem Laptop eines namhaften Herstellers. Es ist warm. Meine Kleidung ist trocken. Sauber. Neben mir ein Teller voll Essen. Ein Glas frisches Wasser. Ein großer Flatscreen hängt an der Wand. Musik klingt aus der Stereoanlage. Mein Kind spielt in Mitten seiner Spielsachen. Friedlich. Mein Mann liest. Friedlich. Draußen höre ich Kinder spielen. Lachen. Toben. Spaß haben.

Die Made im Speck, bin ich. Die Fettaugen die auf der Suppe ganz oben schwimmen, sind wir. Wenn mein Teller mit Essen und mein Glas Wasser leer sind, gehe ich zum Kühlschrank und fülle nach. Wenn mir danach ist, sehe ich fern. Lese ein Buch. Blogge. Mache ich schlicht und ergriffen das, worauf ich gerade Lust habe. Ich habe das Privileg in Österreich geboren zu sein. In einem freien, friedlichen und stinkreichen Land.

Meinen Sohn halte ich im Arm. Ohne die Angst haben zu müssen, dass er umgebracht wird. Verschleppt. Verkauft. Ich weiß, dass ich ihn am Abend in sein Bettchen legen und ihn in der Früh wohlbehalten wieder herausheben kann. Meinen Mann sehe ich an ohne die Angst haben zu müssen, dass er am nächsten Morgen verschwunden ist. Geflohen. Tot. Um mich selbst muss ich keine Angst haben geraubt zu werden. Vergewaltigt. Umgebracht.
Wir sind sicher. Wir leben in Wohlstand und Überfluss. Wir leben in Frieden.

Trotz alledem lese ich tagtäglich in den Medien Hassbotschaften. Dumme Sprüche von wegen „Wirtschaftsflüchtlingen“ und „Sozialschmarotzern“. Sehe unreflektierte Beiträge und blödes Nachgeplappere. Die unmenschliche Stimmung die momentan in unserem Land herrscht macht mich wütend. Nein, sie kotzt mich einfach nur an.
Wir  müssen uns nicht dafür schämen, dass es uns geht. Dass wir hier, in Österreich, leben (dürfen). Wir müssen auch nicht demütig sein und ständig unsere Dankbarkeit dafür aussprechen. Aber was wir müssen, das ist helfen. Nämlich denen, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat wie mit uns.

In einem Kühllastwagen sterben 71 Flüchtlinge. Nicht irgendwo auf der Welt. Nein, hier, bei uns. Auf unseren Straßen. In unserer unmittelbaren Nähe.
In Zeltlagern sind unzählige Menschen eingepfercht. Bei sängender Hitze. In strömendem Regen. Es herrschen fragwürdige hygienische Umstände. Nicht irgendwo auf der Welt. Nein, hier, bei uns. Auf unseren Wiesen. In unserer unmittelbaren Nähe.
Kinder, die ohne Angehörige in unserem Land sind. Voller Angst. Voller Wut. Geflohen vor Krieg, Mord und Totschlag. Nicht irgendwo auf der Welt. Nein, hier, bei uns. In unserer Stadt. In unserer unmittelbaren Nähe.
Wir können uns nicht mehr darauf hinausreden, dass uns das alles nichts mehr angeht. Ist ja schließlich ganz weit weg. Diese humanitäre Katastrophe bedarf dem Zusammenhalt unser aller. Jede/r Einzelne/r ist gefragt. Menschen die bei uns Schutz suchen, müssen diesen auch bekommen. Müssen adäquat untergebracht und versorgt werden.
Warum passiert das in einem Land wie Österreich nicht? Es ist beängstigend. Es ist beschämend.
Hinsehen. Helfen. Das ist unsere Pflicht. Davon, wovon wir so viel haben, muss etwas weitergegeben werden.
Es geht uns alle an!

Um zumindest einen kleinen Beitrag zu leisten, bin ich gerade dabei einen „Leitfaden“ für alle die gerne helfen möchten zu erstellen. Dieser wird in den nächsten Tagen online gehen.
An alle die sich jetzt denken ‚was redet/schreibt die denn da bitte?‘. Nach all dem Leid und Drama in den Medien rund um dieses Thema, immer noch ‚ja, aber …‘ oder ähnliches von sich geben: verschwindet von meiner Seite und kommt bitte nie mehr wieder. Das ist mir ein wirklich großes Anliegen!

Abschließend noch ein kleines Video von zwei tollen, menschlichen, Klartext redenden Jungs: Joko und Klaas .

#mundaufmachen #gemeinsamgegennazis #fürmehrhirnaufderwelt #gegenrassismusundfaschismus

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