Ein paar Gedanken zum Weltfrauentag

Heute jährt sich der internationale Frauentag zum 106. Mal. Weit länger kämpfen Frauen auf der ganzen Welt, tagtäglich, nicht nur am 8. März um die Gleichstellung von Mann und Frau. Die Schere zwischen den Geschlechtern klafft unbeirrt weit auseinander, nicht nur in finanziellen Dingen. Nach wie vor finden sich in Geschäften die rosa-glitzer-Tutus neben den Superheldenumhängen. Was für welches Geschlecht bestimmt ist, brauche ich wohl an dieser Stelle nicht zu erwähnen. Die Frauenquote in den Geschäftsführungen der großen und kleinen Unternehmen ist verschwindend gering. 70,6% der Frauen zwischen 25 und 64 sind teilzeitbeschäftigt. Denn, noch immer sind es mehrheitlich Frauen, die sich um die Kindererziehung kümmern. Die Frauen, die überhaupt ganztags arbeiten, verdienen um 18,2% weniger als ihre Kollegen. Männer bekommen doppelt so viel Pension wie Frauen. Sogar viele Geburten, mehrheitlich in Krankenhäusern, die von Männern geführt werden, sind fremdbestimmt. An jedem Eck wird Frauen die volle Zurechnungsfähigkeit abgesprochen.
Neben all diesen Fakten, die uns tagtäglich begegnen, wurde jüngst in Amerika ein Präsident gewählt, der sich offen dazu bekennt, dass man Frauen jederzeit an ihre ‚Muschi‘ fassen darf. Gestern im Radio lief die Nachricht, dass 2011 beim Atomunglück in Fokushima Frauen, anstatt Schutz in den Evakuierungszentren zu finden, dort mehrfach psychisch und körperlich missbraucht wurden. Sind doch die Zentren zur Gänze von Männern geführt worden. Und, um auch den aktuellen Diskussionen gerecht zu werden: die Anweisung von muslimischen Männern, dass Frauen ihre Reize zu bedecken haben, um sich selbst, die Männer, vor ihren eigenen Begierden zu schützen. Natürlich alles unter dem Deckmantel der Religionsausübung.  Und abschließend, um diese endlos weiterzuführende, niederschmetternde Liste, zu beenden: nach wie vor ist es nicht üblich, die weibliche Form in Schrift und Sprache zu gebrauchen. Nicht mal dafür sind Frauen gut genug. Das ‚verschandelt‘ höchstens das Layout und liest sich nicht flüssig.

Während ich hier sitze und den Kopf über all das Geschehen rund um mich schüttle und versuche mir meine Wut von der Seele zu schreiben, schläft meine kleine Tochter neben mir. Unschuldig. All das betrifft sie, noch, nicht. Aber irgendwann, wird auch sie in das Alter kommen, in dem es sie betreffen wird. Wahrscheinlich wird dies schneller gehen als mir lieb ist. Ist doch schon jetzt rosa die weibliche, schwache Farbe.
Am Straßenrand sehe ich immer wieder ‚zum Büchsenmacher‘-Schilder. Mädchen werden also bereits ab der Stunde ihrer Geburt auf ihr schwaches Geschlecht reduziert, nein, viel mehr werden sie wegen ihres Geschlechts denunziert. Aufgestellt von Männern, die das doch als einen ’netten Brauch‘ zur Geburt eines Mädchens sehen. Ungeachtet der Schmach und Beleidigung, die dieses ‚Brauchtum‘ mit sich zieht.
Ich merke, wie sich mein Herzschlag erhöht und sich in mir eine fürchterliche Wut breit macht und auch Sorge. Um meine Tochter. Um ihre Zukunft. Wie wird es sein, wenn sie heranwächst? Muss sie sich ständig behaupten nur, weil sie eine Vagina hat? Werde ich ihr das entsprechende Selbstvertrauen und die nötige Selbstliebe mitgeben können um diesen Kampf durchzustehen?
Tränen steigen mir in die Augen. Ich will, ich verlange, dass meine Tochter blaue Shirts mit der Aufschrift ‚adventurous‘ tragen kann. Dass sie die gleichen Chancen erhält wie ihr großer Bruder. Dass auch sie in Matschpfützen springen kann, ohne hören zu müssen, ‚dass so etwas ein Mädchen aber nicht macht‘. Ich verlange, dass auch sie die Wahlfreiheit hat, in jeder Hinsicht. Ich verbiete es, dass sie jemals auf ihre Weiblichkeit reduziert wird und sie hören muss, dass sie etwas nicht machen kann, weil sie ein Mädchen ist.
Egal was jemals aus ihr werden wird, Fußballspielerin, Frisörin, Mechanikerin, Kosmetikerin, Astronautin oder Lehrerin, sie muss die gleichen Rechte genießen können wie ihre männlichen Kollegen. Und damit diese Forderungen umgesetzt werden können, sind wir alle gefragt. Männer wie Frauen.

Seit ich Mutter einer Tochter bin, gehen mir Frauenrechtsverletzungen noch näher als sie es ohnehin immer schon getan haben, sie verletzen mich noch tiefer und machen mich noch wütender. Denn, es geht nicht mehr nur um mich und meine Rechte als Frau, sondern auch um die meines Kindes, meines Mädchens. Deshalb kämpfe ich umso dringlicher um die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und sage zu euch: kämpft für euch selbst, für eure Töchter, Nichten und Enkelinnen. Kämpft!!!

Liebe Frauen dieser Welt: ihr seid wunderbar! Seid weiterhin so mutig, so schön, so kampflustig und schlau. Solidarisieren wir uns. Nicht nur heute, sondern jeden einzelnen Tag. Gemeinsam können wir diese männerdominierte Welt weiblicher machen.

Dieses wundervolle Bild ist von kleinerdrei.

P.s.: Heute hat mein Papa Geburtstag. Happy Birthday mein Lieblingspapi. Die Welt bräuchte mehr Männer wie dich! ❤

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