Kein Freiwild…

Köln. Silvesternacht 2015. Ein noch nie dagewesenes Ausmaß an Gewalt gegen Frauen in der breiten Öffentlichkeit. Ausgeübt von Männern. Was in jener Nacht in Köln geschah ist mir unbegreiflich. Macht mich traurig. Nachdenklich. Und auch ein bisschen ängstlich.
Die Wogen gehen hoch. Die Medien sind überschwemmt mit Berichten, Kommentaren und Meinungen dazu. Teils fragwürdig, teils kompetent. Mal klug und mal völlig hirnrissig.

Was aber stört mich jetzt so sehr daran? Mich, als Frau?
Es stört mich die Art und Weise wie manche BerichterstatterInnen (weibliche Journalistinnen nicht ausgenommen!) mit diesem Thema umgehen. Im Fokus steht meist nicht das unfassbare Ausmaß an sexueller Gewalt an Frauen jeglichen Alters, nein, im Vordergrund steht „unser Problem“ mit der Ausländerthematik. Ein gefundenes Fressen für das rechte Lager und die ewigen Ich-hab-ja-nix-gegen-Ausländer-aber-…-SagerInnen Schließlich und endlich waren an dieser ‚Aktion‘ nur ausländisch aussehende, wahrscheinlich sogar Asylwerber beteiligt.
Das Thema wie mit straffälligen Asylwerbern umgegangen wird ist die eine Sache, die andere Sache ist aber, was jenen Frauen in dieser Nacht zugestoßen ist. Nämlich die Situation in einer Nacht die mit Spaß, Neuanfang und Party verbunden ist, im öffentlichen Raum einen Spießrutenlauf zwischen alkoholisierten, gewaltbereiten Männern zu durchlaufen. Und das, ihr lieben Medien aller Art, das ist es worüber berichtet werden muss. Die Angst, nein die Panik, die Hilf- und Machtlosigkeit der Frauen die Gewalt jeglicher Art ausgesetzt sind.
Das Thema Gewalt an Frauen wird gerne mit anderen politischen Thematiken vermischt. Bitte korrigiert mich, wenn ihr eine solch hohe Welle der Aufmerksamkeit und Berichterstattung über Gewalt an Frauen als solches schon einmal erlebt habt. Scheinheilig wird unter dem Deckmanten „(sexuelle)Gewalt an Frauen“ über völlig andere Themen, wie, im jetzigen Fall, der Ausländerthematik diskutiert. Das ist es was mich so sehr daran stört.

Es werden Stimmen laut, die uns Frauen Vorschriften machen wollen, wie wir uns zu verhalten haben sobald es dunkel wird. Der Wiener Polizeipräsident etwa rät: „Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein, Angsträume meiden und in Lokalen keine Getränke von Fremden annehmen. Das war früher so und wird auch in Zukunft weiter so sein.“ – (derstandard.at/2000028619338/Gewalt-an-Frauen-Gruene-kritisieren-Aussagen-des-Wiener-Polizei-Chefs). Ja bitte was geht denn hier ab? War meine erste Reaktion. Sind jene Frauen „selber schuld“ daran was ihnen zustößt? Kaum zu glauben solch Aussagen von einem so hohen Freund und Helfer zu hören… Warum erklärt eigentlich niemand den Männern wie sie sich zu verhalten haben? Nämlich, dass sexuelle Gewalt (auch der „harmlose“ Pograbscher) an Frauen strafbar ist. Warum werden stets wir Frauen in die Schranken gewiesen? Wo bleibt die Solidarität, nein wo bleibt der Hausverstand?

Auf der Startseite eines großen social media Betreibers konnte ich heute folgende Statusmeldung lesen:
„Mädchen und Frauen, der Wiener Polizeipräsident rät euch, nachts nicht unbegleitet rauszugehen. Ich rate euch das Gegenteil. Geht auf die Straße. Fahrt in der Nacht U-Bahn. Lasst euch nicht aus dem Park verdrängen. Geht selbstbewusst in der Mitte des Gehsteiges. Marschiert im vollen Bewusstsein, dass der öffentliche Raum EUCH gehört. Reagiert empört, schnell und laut, wenn euch jemand dieses Recht streitig macht oder in eure persönliche Sphäre eindringt. Seid dabei wach, alert und bei Sinnen (also – zB alkoholtechnisch.) Lasst euch nicht vertreiben. Je mehr von uns draußen sind, umso sicherer ist es für uns alle.
Und an den Polizeipräsidenten: Erklärt doch bitte den Jungs und Männern, dass sexuelle Übergriffe ein Verbrechen sind. Und nicht den Mädchen und Frauen, dass sie nicht rausgehen sollen.“
Geschrieben von Corinna Milborn.

Das, liebe Frauen, genau das ist es was wir jetzt zu tun haben. Rotten wir uns zusammen. Seien wir gemeinsam laut. Zeigen wir uns solidarisch. Helfen wir einander.
Zeigen wir, dass wir uns nicht fürchten. Dass wir nicht das „schwächere Geschlecht“ sind, das sich zu Hause verstecken muss.

Ich bin wütend.

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Hilfe für Flüchtlinge in Salzburg

Im Moment polarisiert wohl kaum ein anderes Thema mehr, als das der Flüchtlingsproblematik.
Für mich gibt es dabei nur einen, klaren und unumstößlichen Standpunkt. Nämlich den, mich solidarisch mit den hilfsbedürftigen Menschen zu stellen, Hilfe zu leisten und mich ganz klar gegen AusländerInnenhetze, Rassismus, Faschismus und andere Dummheiten zu stellen.
Was dieser Tage in den sozialen Netzwerken zu dieser Thematik herumgeistert beschämt mich, macht mich traurig und nicht zuletzt wütend. Da lese ich Dinge wie „sind doch alles nur Wirtschaftsflüchtlinge“, „wann tut unsere Regierung endlich etwas gegen die“ oder, noch absurder, „wir werden überschwemmt“. Ich möchte mich hiermit ganz klar von jedweden Parolen die auf Facebook & Co. herumgeistern, womöglich auch noch von meinen „Freunden“ kommen und auch nur ansatzweise in Richtung Fremdenfeindlichkeit und/oder AusländerInnenhetze gehen, distanzieren. Meine Meinung ist eine ganz andere. Die genau gegenteilige. Wir leben in einem Land in dem es vieles im Überfluss gibt, Frieden herrscht und es uns wirklich gut geht. Wir sind, meiner Meinung nach, verpflichtet zu helfen. Wir dürfen nicht wegsehen.
Der Lieblingsmann und ich haben also beschlossen etwas zu tun. Zu helfen. In Salzburg wurden Zelte errichtet in denen die Menschen, die unsagbares und unvorstellbares Leid erlebt haben, mehr schlecht als recht hausen. Teilweise unter freiem Himmel schlafen müssen. Und, es fehlt am Nötigsten. Und zwar an allen Ecken und Enden. Deshalb haben wir mit der Caritas Salzburg Kontakt aufgenommen. Gefragt was wir tun können. Was sie brauchen.  Und hier kommt ihr ins Spiel. Im Zeitraum von 10. – 24. August 2015 möchten wir eine Spendenaktion starten und dabei möglichst viele Hilfsgüter sammeln.
Das Eine oder Andere Gut findet bestimmt jede/r im Kasten, im Keller, am Dachboden oder sonst irgendwo 🙂
Hier eine Liste was alles benötigt wird:
Bekleidung:
– gut erhaltene(!) Kleidung, vorwiegend für Männer
– neuwertige(!) Unterwäsche und Socken
– Schuhe und Hausschuhe
Fahrräder und Kinderfahrräder
Hygieneartikel:
– Duschgel und Shampoo
– Rasierschaum und Nassrasierer
– Zahnpasta und Zahnbürsten
– Deo
– Waschmittel
– Klopapier
– Küchenrolle
– Nagelzwicker
Haushaltsartikel:
– Teller
– Besteck
– Tassen
– Trinkgläser
– Geschirrtücher
– Handtücher
– Wäscheständer
– Kaffeemaschine
– Staubsauger
– Töpfe und Pfannen
– Bettwäsche
Schreibblöcke, Stifte und einfache Kinderbücher zum Deutsch lernen

Wichtig ist, das bitten wir euch wirklich zu Herzen zu nehmen, sammelt nur Dinge die auch wirklich noch verwendbar sind. Sprich saubere und intakte Bekleidung und Schuhe, Hausrat der funktioniert und brauchbar ist, Hygieneartikel die neu und unbenutzt sind, etc.
Falls es jemandem nicht möglich ist die Hilfsgüter zu uns zu bringen, sind wir nach vorheriger Absprache auch gerne bereit diese abzuholen (in für uns machbarem Umkreis).
Spenden nehmen wir nur nach vorheriger Absprache (per Mail: c.hieke@gmx.at oder jens.hieke@gmx.at) entgegen.

Wir hoffen auf rege Beteiligung, zahlreiche Hilfsgüter und viele positive Rückmeldungen.
Lasst uns gemeinsam für mehr Menschlichkeit und gegen Rassismus, Fremdenhass und Intoleranz aufstehen.
Lasst uns gemeinsam helfen.

Edit: wir haben bereits einige Spenden erhalten – vielen, vielen Dank dafür!
Unsere Aktion geht noch bis 24.08.2015. Wir hoffen bis dahin noch ein paar mehr Spenden sammeln zu können.
Mit eurer Hilfe klappt das bestimmt 🙂