WieWirWohnen

Ja, wie wohnen wir? Für jemanden der noch nie bei uns war und das Konzept unserer „kommunikativen Wohnform“ nicht kennt, wird es im ersten Moment etwas befremdlich finden. Die meisten Leute, also um genau zu sein eigentlich ALLE, assoziieren mit unserer Wohnform zuerst einmal eine Kommune. Vermuten hinter den Mauern Menschen mit langen Haaren, die von Bändern geziert werden, in Schlaghosen mit bunten, grellen Mustern. Und natürlich, nicht zu vergessen, bei uns darf man alles. Von Haschisch rauchen bis nackt durch den Garten rennen. Eben alles. So. So weit so gut. Das sind mal die gängigsten Vorurteile gegen die Wohnform „Atrium“. Zumindest von denen, die ich kenne. 🙂

Aber, jetzt fangen wir erst einmal ganz von vorne an. Nämlich mit ein paar Fakten. Hier also some hardfacts über uns:

– erbaut 1983 – 1985 (mitunter von Leuten die heute noch hier wohnen)

– 3 überdachte und beheizte Atriumshöfe (Süd-, West- und Nordhof genannt)

– Gesamtfläche von 8.481 qm (davon 3.730 qm Gartenfläche)

– 17 Wohnungen und 16 Häuser

– 59 Erwachsene, 14 Kinder

– Holzskelettbauweise (außer Keller, Vorräume und Bäder)

– Partyraum, Werkstätte, Waschküche und Sauna (benutzbar und zugänglich für alle BewohnerInnen)

Das sind die Eckdaten unseres lieben zu Hauses. Genannt wird die Wohnform von uns kurz „Atrium“. Kommunikatives Wohnen heißt es deshalb, weil es aus der Idee des „Einfamilienhauses in der Gruppe“ entstanden ist. Pate gestanden sind verschiedenste Wohnformen aus Westafrika und Südostasien.

Die Gartenfläche von insgesamt 3.730qm wird gemeinschaftliche genützt. Jedes Haus bzw. Wohnung im Erdgeschoß hat eine eigene, private Terrasse. Die Wohnungen im Obergeschoß bzw. die Häuser haben darüberhinaus einen Balkon und eine Dachterrasse, welche ebenfalls gemeinschaftlich genutzt wird.

Nun aber konkret zu unserem WieWirWohnen:

Wir, das sind der Lieblingsmann, das Frühlingskind und ich, bewohnen eines der insgesamt 16 Häuser. Wir haben auf knapp 150qm verteilt 1 Vorraum, 1 Toilette, 1 Abstellraum, 1 große Wohnküche, 1 Badezimmer, 2 SZ, 1 Büro und einen ausgebauten Dachboden mit Dachterrasse.

Was an unserem Haus so besonders ist, ist, dass wir uns, gemeinsam mit unseren lieben Nachbarn und Freunden ein Stiegenhaus und einen Balkon teilen. Wir gehen also aus unserem Haus in ein gemeinsames Stiegenhaus und gelangen dadurch in unseren (eigenen, privaten) ausgebauten Dachboden. Hier fängt vermutlich die Verwirrung an. Nein, wir teilen uns nicht das HAUS mit unseren Nachbarn, sondern lediglich das STIEGENhaus 🙂 Ich weiß, es ist für Außenstehende etwas komisch. Aber he, wir finden es ziemlich super!

Nun zum oben kurz angeführten Atriumshof: wir wohnen im Südhof. Und das muss man sich so vorstellen: man betritt den Südhof (ganz normal eben) durch die Haustüre (wie in einem herkömmlichen Wohnblock auch). Dann aber gibt es kein Stiegenhaus zu den einzelnen Wohnungen/Häusern, sondern einen gemeinsamen, überdachten und beheizten Innenhof. Eben den Südhof. Und von diesem (von uns genannt) Atrium gehen dann die einzelnen Wohnungseingangstüren weg. Im Prinzip kann man sich das wie ein großes Wohnzimmer vorstellen. Nur, dass man es mit Straßenschuhen betreten darf und dadurch in die einzelnen Wohnungen/Häuser gelangt.

Und der Garten? 3.730qm. Das hört sich doch schon mal ziemlich super an, oder? Kann nicht jede/r sagen 😉 Dieser Garten wird aber, wie oben schon kurz angesprochen, gemeinschaftlich benutzt. Sprich von allen 59 Erwachsenen und 14 Kindern. Jetzt ist es wohl klar warum wir so viel Fläche an Garten haben (und brauchen), oder?! Stepst du also von deiner eigenen, kleinen (eigentlich gar nicht so kleinen), feinen Terrasse runter, berühren deine Füße das GRAS DER ALLGEMEINHEIT (Anm., damit hier niemand auf falsche Gedanken kommt: der Rasen ist hier gemeint, der Rasen!). Klingt komisch. Ist aber so. Im GRAS DER ALLGEMEINHEIT befinden sich dann ein Kinderspielplatz, ein Biotop, eine Grillstelle und ein paar Gemüsebeete. Alles also zur allgemeinen Verfügung.

Jede/r der/die sich jetzt denken jippiiieee ANARCHIE, die Kommune 1 lebt wieder auf. Liegt (wenn auch nicht gänzlich) falsch. Hier wohnen (zumindest größtenteils) vernünftige Leute. Die (wenn auch ein paar Ausnahmen dabei sind) Rücksicht aufeinander nehmen, am Gemeinschaftsleben interessiert sind und eben (in irgendeiner Form) kommunikativ zusammenleben.

Und jetzt zu der oft gestellten Frage „wo bleibt denn da bitte die Privatsphäre?“: tja die Privatsphäre… Die ist hier eben etwas anders gestaltet als in einem gesichtslosen Wohnblock oder einem Einfamilienhaus mit hohen Mauern rundherum. Auch hier im Atrum hat man seinen privaten Bereich. Ob auf der Terrasse, dem Balkon, der Dachterrasse, im Südhof oder eben in seinem Haus/Wohnung. Und soll es wirklich mal niemand hören, dann muss man eben ein bisschen flüstern 🙂

Naürlich ist diese Wohnform nicht immer nur toll, lustig, kommunikativ und paradiesisch. Nein, es gibt auch, na no na ned bei so einer Wohnform, Konflikte. Und ich kann euch sagen nicht zu wenige! Aber wo gibt es die denn nicht? Gibt es jemanden der nur nette, liebe, aufrichtige, hilfsbereite und selbstlose Nachbarn hat? Eben!

Für uns zumindest überwiegen die positiven Eigenschaften. Wir haben viiiiel Platz. (Überwiegend) nette Nachbarn. Raum zum Feiern und Diskutieren. Und, was für uns im Moment das aller Wichtigste ist: wo bitte auf dieser Welt gibt es einen besseren Ort als hier um seine Kinder groß zu ziehen?

Und wer sich jetzt immer noch denkt wovon die Tante eigentlich spricht, gibt es hier noch ein paar (alte) Bilder:

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Draufsicht auf den „Westhof“

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Ansicht auf die Atriumshäuser von der Königsseeache aus

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Südhof von innen

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Gemüsebeete mit Nordhof im Hintergrund

 

 

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